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Buchvorstellung des Journalisten David Fernbach (London/Malaga) am 10. Januar 2019 zu seinem Buch über seinen Großvater Wolfgang Fernbach, der vor 100 Jahren von Regierungstruppen in Berlin ermordet worden ist.

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Er stellt die Familienchronik vor, die der Vater des Ermordeten, Eugen Fernbach (1853–1936), in den 1920er Jahren verfasste. Sie erschien vor wenigen Tagen im Verlag Hentrich & Hentrich:
Eugen Fernbach, David Fernbach (Hg.) - Assimilation – Zionismus – Spartakus, Chronik der Berliner Familie Fernbach (1879–1934), 192 Seiten, 18,00 € (am Büchertisch)

Eugen Fernbach war sein Leben lang dem deutsch-jüdischen Assimilationsprojekt verbunden. Als dies jedoch im frühen 20. Jahrhundert ins Stocken geriet, suchten seine Kinder nach neuen Optionen. Der Zionismus war ihr erster Versuch, aber für den Sohn Wolfgang Fernbach wurde dies nur zu einer Etappe auf seinem Weg zum radikalen Sozialismus. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges schloss er sich der Gruppe um Rosa Luxemburg an und hatte wesentlichen Anteil an der Spartakus-Bewegung. Er starb im Januaraufstand 1919 als einer der Verhandlungsführer des besetzten Vorwärtsgebäudes. In einem Lebenslauf seines Sohnes und einer Untersuchung seines Mordes liefert Eugen Fernbach ein ergreifendes Beispiel dafür, wie historische Kräfte innerhalb einer Familie wirken. Über die englische Originalversion schrieb W.G. Sebald: „Ein faszinierender Beitrag, der viel über den wahren Kern jüdischen Lebens in Deutschland in einer Zeit enthüllt, als das Scheitern des Assimilationsprozesses begann.“ Und Miriam Glucksmann urteilte: „Eine sensible Verflechtung von Autobiographie und Geschichte.“

Wolfgang Fernbach hatte vor seinem Tod gewünscht, wie die anderen Opfer der Revolution 1918 auf dem Friedhof der Märzgefallenen im Volkspark Friedrichshain beerdigt zu werden, falls ihm etwas zustöße. Warum ihm das verwehrt wurde, wird u.a. Gegenstand der Diskussion im Anschluss an die Lesung sein. Daran nehmen teil: David Fernbach, Dr. Nora Pester (Verlegerin, Verlag Hentrich&Hentrich, Leipzig) und Martin Düspohl (Ausstellungskurator).

Eine Veranstaltung des Stadtmuseums Berlin in Zusammenarbeit mit dem Verlag Hentrich&Hentrich, der Rosa-Luxemburg-Stiftung und dem Paul-Singer-Verein/Friedhof der Märzgefallenen im Rahmen der Ausstellung „Berlin 1918/19 - Das lange Leben der Novemberrrevolution“ im Märkischen Museum.

Ort: Märkisches Museum, Am Köllnischen Park 5, 10179 Berlin

Zeit: Donnerstag, 10. Januar 2019, 18 Uhr

Eintritt: 3,00 / ermäßigt 2,00 Euro

Bildnachweis: Wolfgang Fernbach ca. 1912, Nachlass Eugen Fernbach im Jüdischen Museum