Nachruf Dr. Heinz Warnecke

12.01.2016, 10:04 Uhr

Christoph Hamann Ein Meister historischer Spurensuche Dr. Heinz Warnecke (1928–2015) – ein Nachruf


Seine erste Veröffentlichung über die Revolution von 1848/49 war 1972 erschienen, seine letzte konnte Heinz Warnecke dieses Jahr nur noch mit großer Kraftanstrengung abschließen. Sie galt der Biografie von Gustav von Lensky (1813–1848), der am 18. März 1848 in der Berliner Friedrichstraße eine Barrikade verteidigte und den Folgen des Kampfes erlag. Auf dem Friedhof der Märzgefallenen wird mit einem Gedenkstein an ihn erinnert. Heinz Warnecke hatte im Geheimen Staatsarchiv eine Verwaltungs-Akte über Lensky gefunden. Persönlich konnte er nicht mehr Einsicht in das Original nehmen – gemeinsam mit seiner Frau Waltraud wertete er die schwer lesbaren kopierten Handschriften aus. Heinz Warneckes letzter Aufsatz wird posthum 2016 erscheinen (Akteure eines Umbruchs. Männer und Frauen der Revolution von 1848/49, Bd. 5). Die Umstände dieser Recherche werfen ein ebenso bezeichnendes wie berührendes Licht auf sein Engagement wie das seiner Frau: Sie zeigen gleichermaßen ein bis zuletzt erfülltes Historiker-Leben wie eine ebenso erfüllte Ehe.
Walter Schmidt, der Nestor der 1848er-Forschung der DDR, hat in einer Laudatio aus Anlass von Heinz Warneckes 80. Geburtstag folgende Worte über ihn gefunden: „Heinz Warnecke ist ohne Zweifel ein Meister historischer Spurensuche, ein zurückhaltender, stiller, aber umso hartnäckiger Arbeiter im Weinberg des Herrn, der hier die Muse Klio heißt.“ Trefflicher hätte man den Verstorbenen nicht charakterisieren können. Seine Arbeiten in den Bänden über die Männer und Frauen der Revolution von 1848/49 wie über den Publizisten Gustav Julius, den liberalen Prediger Adolf Sydow, den Studentensprecher Paul Börner und über den Berliner Polizeidirektor August Duncker bestechen durch akribische Recherche und Quellensättigung. Die Zahl der Anmerkungen übersteigt die Zahl der Textseiten jeweils um ein vielfaches. Die Mühsal der wahrhaft zeitaufwendigen biografischen Recherche hat er auch in dem ersten biografischen Verzeichnis der Märzgefallenen von 1848 und der Opfer der Novemberrevolution von 1918/19 auf sich genommen, die im Friedrichshain begraben sind. Ein bleibendes Verdienst auch dieses.
Über ein Jahrzehnt war Heinz Warnecke der wissenschaftliche Berater der Aktion 18. März. Zurückhaltend, hartnäckig in der Sache und – wie mir scheint – durchaus auch eindeutig im historischen wie politischen Urteil hat er das Erinnern an die deutsche Demokratiegeschichte wie auch die Aktion 18. März nachhaltig unterstützt. Er hat sich für den Platz des 18. März eingesetzt, bis ins hohe Alter in jeder Ausgabe der Märzzeitung „Aufruf“ die Ergebnisse seiner Forschungen präsentiert, und er war sich auch nicht zu schade, mit den Freunden von der Aktion 18. März alljährlich das „Eintüten“ und den Versand der Märzzeitung zu besorgen.
Dr. Heinz Warnecke ist am 4. November 2015 verstorben. Das Kuratorium der Gedenkstätte Friedhof der Märzgefallenen und die Aktion 18. März trauern über seinen Tod und sprechen seiner Witwe Waltraud Warnecke ihr herzliches Beileid aus.
Für das Kuratorium der Gedenkstätte Friedhof der Märzgefallenen und die Aktion 18. März
Christoph Hamann